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Neues aus der Kunstwelt Millionen wollten Tickets
By RSS Feed | February 9, 2008
Led Zeppelin trennten sich 1980. Jetzt treten die gealterten Rockstars in London wieder auf. Die Wiedergeburt von Led Zeppelin hat sich in einem kleinen Studio an einem geheim gehaltenen Ort in England vollzogen. Dort sollen sich Jimmy Page, Robert Plant und John Paul Jones, der Gitarrist, der Sänger und der Bassist von Led Zeppelin, im Juni voller Rührung in die Arme gefallen sein, weil nach einem geprobten Song schon klar war: Die Kultband der 70er Jahre hört sich noch genau so an wie einst.
Hoffentlich stimmt die Geschichte: Immerhin haben 20.000 Fans offiziell 125 Pfund (ca. 185 Euro) gezahlt - auf dem Schwarzmarkt sind die Preise noch viel höher -, um bei dem groß angekündigten, momentan einzigen Reunion-Konzert am Montag in der O2-Arena in London dabei zu sein.
Es ist der erste Auftritt, seit Schlagzeuger John Bonham 1980 mit 27 Jahren bei einem Alkoholexzess starb und die Band daraufhin das Ende ihrer Laufbahn bekanntgab. Schon bei der Ankündigung der einmaligen Show am Ufer der Themse gerieten “Zep”-Fans weltweit in Verzückung. Mehr als 20 Millionen Menschen bemühten sich im Internet um Tickets - das behaupten zumindest die Veranstalter. Der Ansturm, schrieb der “Independent”, sei ein “Echo auf den historischen Triumph des populären Geschmacks über das Urteil der Kritiker”. Selbst der konservative “Daily Telegraph”, der von der Band in ihrer Glanzzeiten nicht gerade angetan war, spricht heute von der “größten Reunion des Rock”.
Tatsächlich kommentierten anfangs Musikkritiker, vor allem in den USA, den Siegeszug der britischen Rocker mit den ungewöhnlich langen Haaren, den nackten Männerbrüsten und straffen Waschbrettbäuchen recht unfreundlich. Von “erschreckender Selbstherrlichkeit” war die Rede, von “vulgären Gesten”, von “ungezügelten Engländern”, die amerikanischen Blues und Rock ‘n’ Roll respektlos in einen überlauten Hardrock verwandelten und ihre Shows wie “Sexwettbewerbe auf offener Bühne” aussehen ließen. Die Invasion der Beatles und selbst der Rolling Stones hatte man ja noch verkraftet, aber Led Zeppelin wirkten im Vergleich wie unbezwingbare wilde Rockriesen, denen nichts heilig war - schon gar nicht Amerikas Töchter.
All diese Nörgeleien konnten die wilden Briten aber nicht davon abhalten, das Regelbuch des Rock neu zu schreiben. Sie drehten die Lautstärke in ungeahnte Höhen. Sie holten den Rock aus den Konzertsälen in die Fußballstadien. Sie machten 1969 mit “Whole Lotta Love” den Sexualtrieb zum Song- und Bühnenthema. Sie wurden die Rock-Könige der 70er Jahre, “indem sie die Dramatik von The Who, die Vitalität der Rolling Stones und die technische Bravour von Jimi Hendrix zu etwas Neuem verschmolzen, das die Popkultur nachhaltig veränderte”, schrieb der britische Rockexperte Neil McCormick.
Fast drei Jahrzehnte danach dürfte nun die Bühnenshow von Led Zeppelin selbst den prüdesten Kritiker nicht mehr schockieren, selbst wenn sie immer noch fast genauso klingen wie damals. Immerhin sind die Herren Page, Plant und Jones inzwischen 63, 59 und 61 Jahre alt. Jüngster im Bunde ist der 41-jährige Jason Bonham, der Sohn von John Bonham, der eigentlich Schlagzeuger bei Foreigner ist. Eine Änderung im Sound scheint es jedenfalls zu geben: Das britische Musikblatt “NME” kolportierte, dass Plant die hohen Töne nicht mehr treffe - und dass deshalb die Songs in einer tieferen Tonart gespielt werden müssten.
Quelle: orf.at